Musik und Bewegung in Coronazeiten

Lieder, Tänze, Sprechverse, lebendiges Treiben im Gruppenraum, gemeinsames Musizieren, konzentriertes Ausprobieren von Instrumenten – das alles und mehr verbinden wir mit „Elementarer Musikpädagogik“. Aber wie ist solcher Unterricht angesichts der starken Einschränkungen durch Corona möglich?

„Verschwick verschwack verschweck“.

Vor zwei Jahren hätten wir noch gesagt: Gar nicht - EMP ist nicht denkbar, ohne dass sich Kinder, Eltern und Lehrkräfte vor Ort in der Musikschule zusammenfinden. Die Lehrkräfte der Stuttgarter Musikschule versuchen es trotzdem – Hut ab! – Ein Bericht von Kerstin Pfeiffer.

„Rhythmik/EMP-Unterricht mit Kindern in Corona-Zeiten – wie soll das gehen? Das dachte ich am Anfang. Live-Unterricht am PC schloss ich aus – wann sollten alle Eltern, Kinder und ich gleichzeitig einen Termin finden? Material schicken ging für mich auch nicht – die Eltern waren bestimmt schon genug überlastet. Ich dachte mir, dass ich den Kindern am ehesten vertraut bleibe, wenn sie mich sehen und erleben.

Mit Videos in die Wohnzimmer kommen

Vertraut bleiben, die Bande versuchen zu halten – das war das Wichtigste. Also entschied ich mich, kleine Filmchen aufzunehmen und den Eltern zu schicken. Jede Stunde beinhaltete 6-8 Filmchen ca. in der Reihenfolge, wie unsere normale Musikstunde sonst auch abläuft. Die Kinder sahen mich immer: beim Begrüßen, Begrüßungslied, Tanzen, Musik machen, Singen, beim Sprechen rhythmischer Verse, Bodypercussion, Abschiedsspruch etc. Ich sprach die Kinder an, als ob ich sie sehen und hören könnte, forderte sie zum Mitmachen auf, wir lernten die Lieder Stück für Stück. Ich musste mich dazu überwinden, denn erstens sah ich die Kinder nicht und es fehlte mir die Rückmeldung. Ich musste den Kindern gerade das vorspielen, also so tun, als ob ich sie sehen und erleben würde. Außerdem wusste ich gleichzeitig, dass alles auch die Eltern sahen.

Die Kinder kennen mich noch

Die Rückmeldungen waren gottseidank durchgängig positiv. Die Eltern honorierten meine Anstrengungen und Ideen. Immer wieder fragte ich nach, ob die Kinder auch mitmachen oder nur zuschauen, bedankte mich für die Treue und hoffte auf ein baldiges Wiedersehen in echt. Und unglaublich: Ich bekam in dieser Zeit 3 Neuanmeldungen!  - Nun darf ich wieder in die Kindergärten kommen. Die Kinder vermitteln mir, dass sie mich noch gut kennen und haben sich auf mich und die Stunden gefreut. Ich bin sehr froh, wieder im direkten Kontakt und Austausch mit den Kindern zu sein: Zusammen Musikmachen lebt davon! Ich kann nun wieder reagieren, die Ideen der Kinder aufgreifen. Ich sie endlich wieder individuell fördern oder fordern. Denn das ging in der Zeit leider nicht.“

Kerstin Pfeiffer

Kerstin Pfeiffer hat Rhythmik an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen und  Gesang an der Staatlichen Hohschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim studiert.
Sie ist seit 2013 an der Stuttgarter Musikschule im Fachbereich Elementare Musikpädagogik tätig.

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