Musik für Kinder greifbar machen: Das Grundschul-Programm „Musik für alle“

Carolin Pfrommer beschreibt ihren Alltag und ihre Gedanken als Lehrerin für Elementare Musikpädagogik (EMP), wo sie unter anderem im Bereich „Musik für alle“ an Stuttgarter Grundschulen tätig ist.

Zu meinem Einstieg an der Stuttgarter Musikschule, wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, in eine Grundschulkooperation mit Vorbereitung auf die Bläserklasse einzusteigen. Ich bejahte gespannt, denn die Erfahrung mit größeren Kindern war für mich bis dahin neu. Es hatte im Studium einige Praxiswochen in der Grundschule gegeben, aber richtig kannte ich die Altersgruppe und die Abläufe in den Schulen nicht. So kam es, dass ich nach einem „Sprung ins kalte Wasser“ meine Freude an der Arbeit mit den Grundschülern entdeckte. Heute freue ich mich, dass ich zu den Kollegen gehöre, die das neue Programm „Musik für alle“, kurz „Mufa“, in den Klassenstufen 1 und 2 unterrichten. Darüber möchte ich heute berichten.

Montags an einer Grundschule

Montags beginnt mein Unterricht an einer Grundschule im Raum Stuttgart um 8Uhr - früh für mich - dafür bin ich bereits um 9.30 Uhr nach zwei Schulstunden mit meinem Vormittag fertig. Insgesamt betreue ich sieben Klassen mit 24 bis 29 Kindern in vier Grundschulen, deshalb verbringe ich auch viel Zeit in der Bahn. Allerdings lassen sich die Fahrten mit Gedanken zum Unterricht, Mail schreiben oder zum Träumen nutzen.
Der Musikraum befindet sich ganz oben im Haus, ist hell und mit einem Grundstock an Instrumenten und Materialien ausgestattet. Das ist ein Glücksfall, denn oft gibt es wenig Instrumente oder sie sind teilweise kaputt. Manchmal ist nicht aufgeräumt, das heißt dann, dass ich improvisieren und mein Unterrichtsprogramm an die Raumsituation anpassen muss. Schnell noch den Stuhlkreis für die Kinder aufstellen und da sind sie schon.
„Hallo Frau Pfrommer, wieso bist du nicht immer bei uns an der Schule?“ und „du Frau Pfrommer schau mal, ich habe einen neuen Pullover, wenn ich so streiche ist die Katze grau, wenn ich so streiche…!“
Als externe Lehrerin besuche ich einmal in der Woche vier Grundschulen. Das stellt mich neben der Unterrichtskonzeption auch in Sache Regeln und Kommunikation vor Herausforderungen. Diese ist nämlich an jeder Schule und bei jedem Klassenlehrer unterschiedlich. Heute stolpern zudem noch sechs Viertklässler mit in den Raum, denn eine Lehrkraft ist ausgefallen und die Kinder werden auf andere Klassen verteilt - kein Problem, dann sind wir heute eben ein paar Musiker mehr. Ich bin wirklich froh, dass die Zusammenarbeit mit den Tandempartnern, das sind die Klassenlehrerinnen, gut gelingt. Vor allem in den Situationen in denen Regeln und Konsequenzen gebraucht werden, brauche ich die interne Unterstützung.
 
Musik für die Kinder greifbar zu machen ist meine Motivation. Das kann in einer großen Klasse auch zu einer Herausforderung werden…Die Kinder zeigen mir auf ihre Weise ihre Bedürfnisse und ich sehe meine Aufgabe darin, durch fantasievolle Arbeit mit Musik die Kinder auf eine individuelle Art anzusprechen. Da ich mit „Musik für alle“ alle Kinder in der Schule erreiche, erfahre ich auch oft von ihren Problemen und Schicksalen. Diese berühren mich sehr, denn sie zeigen die Spannweite der Gesellschaft auf. Dabei habe ich als Lehrkraft der Musikschule einen Vorteil, denn ich muss die Leistung der Schüler nicht einfordern und bewerten. Wenn die Klasse es schafft im Kanon „so schön durcheinander“ zu musizieren, haben selbst die coolen Kids ab und an ein Lächeln im Gesicht. Da lernen die Kinder auch voneinander, sind Vorbilder füreinander und ziehen sich gegenseitig mit- ich halte die Fäden und lenke in die richtige Richtung. Es ist mein Ziel, Freude durch Musik zu wecken und die Erfahrung zu vermitteln, dass Musik jeder machen kann. Unabhängig davon, ob die Sprache perfekt ist, ob es ein Handicap gibt, oder bislang der Zugang fehlte.
 
Aus der persönlichen Erfahrung heraus wünsche ich mir, dass sich die Musik im Bildungswesen der Schulen weiterentwickelt. Als musikpädagogische Fachkraft möchte ich Impulse geben und bin gleichzeitig dankbar über die pädagogischen Impulse der Schullehrer- dass Musik als Fach zum Anfassen mit viel Fantasie gelingt.
 
Nach der musikalischen Grundausbildung mit Instrumentenvorstellung haben die Schüler im zweiten Jahr die Möglichkeit, ein Instrument in einer Kleingruppe zu erlernen. So sind neben den klassischen Instrumenten wie z.B. Violine, Cello und Klavier auch Holzblasinstrumente, Cajon oder das türkische Instrument Saz seitens der Grundschulen gewünscht. Hierfür werden dann Instrumentallehrer der Stuttgarter Musikschule in die Schulen kommen.

Carolin Pfrommer studierte an der Stuttgarter Musikhochschule die Studiengänge Elementare Musikpädagogik mit Hauptfach Rhythmik und Violine. Seit 2016 unterrichtet sie an der Stuttgarter Musikschule EMP, seit 2019 auch Violine in der neuen Stadtteilmusikschule Ost.

Hauptstandort

Stuttgarter Musikschule
Rotebühlplatz 28
70173 Stuttgart
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Telefon (07 11) 21 66 62 20