Orchesterreise des Jugendsinfonieorchesters nach Weikersheim

Am Freitag, den 13. Mai, war es so weit, die Vorfreude und das Warten hatte ein Ende: Der Tag des ersehnten Probewochenendes war gekommen, und geduldig warten die Orchestermitglieder des JuSOs (pünktlich) um 15:45 Uhr vor dem Rotebühlplatz. In den Gesichtern der Menschen sieht man weit und breit nichts Anderes als Freude und Grinsen, die Stimmung ist gut, und es kann losgehen.

Jugendliche des Orchester stehen vor dem Schloss und tragen Herrn Adiarte

Freitag, den 13. Mai

Das nötige Probenwochenende kann kommen, und die Schüler*innen sind hochmotiviert, mit unserem tollen Dirigenten und Lehrer Alexander Adiarte zu arbeiten. Im Bus werden die ersten Ansagen gemacht: Unser Ziel für die nächsten zwei Tage ist klar: Wir wollen uns benehmen (oder zumindest nicht erwischen lassen, falls wir es nicht machen). Auch unsere geschätzte Konzertmeisterin Karin meldet sich per Durchsage ans Orchester. Sie und einige weitere Orchestermitglieder haben sich die Mühe gemacht, das Spiel "Mörder” vorzubereiten. Jedes Orchestermitglied soll einen Namen ziehen und versuchen, diesen innerhalb der nächsten zwei Tage zu „töten“; schafft man dies, so kriegt man den Zettel von der Person, die man „ermordet“ hat und geht weiter auf Jagd.
„Töten“ konnte man, indem man dem „Opfer“ einen Gegenstand gab und das „Opfer“ ihn angenommen hat. Leider musste Luka, unser Freund von der Klarinette, direkt nach zwei Minuten „sterben“ weil er unachtsam war. Auch Patrick, der an diesem Tag Geburtstag hatte, wurde auf schmutzige Art und Weise hinterhältig nach fünf Minuten getötet, weil ihm der „Mörder“ seinen eigenen Geburtstagskuchen in die Hand drückte -  und schon war er „tot“.

Nach dem Abendessen in Weikersheim ging es los. Endlich! Das lange Warten hat ein Ende! Die Begeisterung ist groß, die Motivation hoch, endlich geht‘s ans Musizieren, und eifrig fangen wir an, etwas aus der Dvorak-Sinfonie zu proben, die Sie gerne anhören können am 10.Juli 2022 in der Liederhalle. Nachdem wir gut geprobt hatten, ging es in den Keller des Schlosses. Dort verbrachten wir eine gute Zeit miteinander, unsere Begleitlehrerinnen Frederike von Gagern und Christine Schneider fungierten als Barkeeper. Einige spielten am Tischkicker, einige Billard, und wiederum andere spielten Karten. Von schlechten Gefühlen oder Stimmungen keine Sicht weit und breit, ein Klima voller junger, leidenschaftlicher und begeisterter Musiker herrschte in diesem Keller. Was nicht vergessen werden durfte ist, dass der Geburtstag von Patrick gefeiert werden musste. Es gab eine Piñata, die zerschlagen werden musste. Auch Herr Adiarte in seinem Sombrero durfte ran und verteilte gute Schläge bis sie endlich zerbrach. Ein wunderbarer Kuchen von Annika wurde serviert, ein Haufen aus Zutaten geformter Liebe, ein Schmaus sehr zur Freude unserer Gaumen. Ein Geburtstagsständchen oder wohl eher Geburtstagstango gab es auch, inszeniert durch Georg Weber, Karin Xu und Annika Eisentraut. Es war genau in diesem Moment in diesem Keller, als uns allen eines bewusst wurde: Dieses Wochenende wird ein gutes und erfolgreiches, wir werden gute Musik machen, gut proben und gut arbeiten, wir werden vor nichts Halt machen und das Beste aus uns rausholen.Die Euphorie und den Drang der Jugend, etwas zu schaffen überrollte uns.

eine Schülerin zerschlägt eine Piñata

Pünktlich um 23 Uhr ging es ins Bett, denn es stand ein harter Tag bevor. Auf unseren Zimmern machten wir alle pünktlich das Licht aus, gingen schlafen und wagten es nicht Unfug zu treiben, denn niemals würden wir so etwas tun. Nach einem guten Tag kamen wir zur Ruhe und machten uns auf ins Land der Träume, gespannt, was der nächste Tag bereithalten würde.

Samstag, den 14. Mai

Herr Adiarte hatte uns am Vortag das Angebot gemacht, sich mit ihm um 6 Uhr zum Joggen zu treffen. In der Probe haben sich viele begeistert zum Mitkommen gemeldet, Leider stellte sich heraus, dass Herr Adiarte um 6 Uhr alleine dastand.
Wir konnten uns nicht erklären, wieso keiner da war. Besonders über Gabriel von den Celli, der große Töne gespuckt hatte, wie sportlich er sei, waren wir verwundert, da er nicht gekommen war. Unglücklicherweise musste Herr Adiarte alleine joggen, aber das war ja nicht so schlimm, er durfte uns ja beim Frühstück wiedersehen.

Die älteren Mitglieder im Orchester müssen den Jungen immer zeigen, wer der Boss ist, und haben sich daher eine lustige Idee überlegt. Um 7.30 – obwohl noch Nachtruhe galt, trafen wir uns auf dem Flur und veranstalteten ein Morgenkonzert.  Die Hauptmotivation war Musik zu schenken. Wir hatten die Noten zu Hedwig's Theme  aus dem Internet und spielten alle auf unseren Instrumenten. Es waren um die 15 Personen, und alle spielten aus einem kleinen IPad. Ich kann von mir sagen, dass ich vergessen hatte meine Brille anzuziehen, und so konnte ich die Noten nicht erkennen, musste also improvisieren.
Es ging einigen so, und wir gaben ein schönes Konzert.
Einige wurden geweckt, doch die Blechbläser und waren nicht sehr erfreut. Sie baten uns, doch die Nachtruhe zu respektieren, diesem Wunsch sind wir nicht nachgekommen und haben weitergemacht. Auch wenn die eine Partei nun sauer war, Musik verbindet, und dafür waren wir hier, und auch wenn sie nicht begeistert waren, so haben wir sie zumindest geweckt, und deswegen lieben wir die Musik und sind motiviert fürs Probenwochenende.

Von 9-10 Uhr gab es eine Sonderprobe für JuSO-Mitglieder, die beim Friedenskonzert “Dona Nobis Pacem” am Sonntag mitspielen würden, zu denen ich auch zählte. Vorbereitet und ausgeschlafen gingen wir in die Probe, laufen am wunderschönen Schlossgarten vorbei in den Saal und proben ein schönes Programm. Uns war doch bewusst, dass es ein langer Tag werden würde, wir hatten 8,5 h Proben über den Tag verteilt vor uns. Aber auch das konnte uns nicht aufhalten. Um 10 Uhr kamen dann die anderen dazu, und es gab eine Tuttiprobe bis zum Mittagessen.

Nach dem Essen erkundeten wir die Gegend und das Schloss. Unser Freund Hannes, der nicht nur leidenschaftlicher Mitspieler der Bratschen ist, sondern auch begabter Hobbyfotograf, erkannte die Schönheit des Ortes und suchte einen Platz für schöne Fotos.

Von 16-18 Uhr gab es eine weitere Probe fürs Friedenskonzert, der andere Teil des Orchesters hatte Freizeit. Während die einen an der Musik arbeiten, lagen die anderen draußen mit kühlen Erfrischungsgetränken auf der Wiese. Wir konnten nur vom Fenster aus zuschauen, deswegen weiß ich nicht, wie es draußen war, denn ich und andere Kolleg:innen waren dabei, an unserem Handwerk zu arbeiten und zu arbeiten.
Immerhin war den Mitspieler:innen des Friedenskonzert später ein Eis vergönnt, was der Dirigent bezahlte. Während wir also, wohl wissend, dass wir hart gearbeitet haben, unser Eis verzehren, versuchen wir Herrn Adiarte zu erklären was Memes sind.

Nach dem Abendessen gab es nochmals eine Tuttiprobe, und wie am Vorabend versammelte sich das ganze Orchester danach im Keller des Schlosses, um eine schöne Zeit zu verbringen. Es stellte sich heraus, dass unser Lehrer ein besserer Dirigent als Tischkickerspieler ist. Einige Mitspieler:innen mussten harte Niederlagen einfahren, andere konnten glänzen durch taktisches Geschick und Flinkheit. Doch ob Sieg oder Niederlage, ob schlecht in Billard oder nicht, das war uns letztendlich egal, denn eines war sicher: Wir schätzen einander sehr, lieben es, gemeinsam Zeit zu verbringen, mit jedem zu spielen, und sind eine Truppe, ein gemeinsamer Geist und eine Gemeinschaft von jungen Leuten, die nichts mehr wollen als der Welt Schönheit durch Musik zu bringen, das stand immer im Vordergrund.

Pünktlich und regelkonform wie am Vorabend gehen wir zu Bett. Nach 23 Uhr hören plötzlich einige verwunderte Orchesterspieler:innen  Meditationsmusik aus ihren Fenstern. Drei Schüler hatten den Balkon erobert und hielten eine Meditation ab, der alle aus ihren Fenstern beiwohnen durften. Einige haben uns mit Süßigkeiten beworfen (aus welchen Gründen auch immer), aber da wir ja schon Zähne geputzt hatten, konnten wir diese nicht essen. Gemeinsam sind wir am Fenster und reden. Von dort aus konnten die Lehrer :innen uns nicht in unsere Zimmer schicken. Wir entspannten, kamen zur Ruhe, ließen den Tag auf uns wirken und gingen ruhig zu Bett.
 

Sonntag, den 15. Mai

Der letzte Tag, ein Gefühl der Melancholie holt uns ein. Soll es denn jetzt schon vorbei sein mit dem Wochenende? Wir wünschten uns, das Wochenende ginge noch länger, wir wollten nicht heim, denn die Musik ist unser Heim und unser Wohlfühlort. Nach dem Frühstück gab es eine Tuttiprobe, danach köstliches Mittagessen, sozusagen unsere Henkersmahlzeit, bevor es mit dem Bus ab nach Stuttgart ging. Zuvor hatten die Schüler:innen vorbildlich ihre Zimmer sauber und aufgeräumt hinterlassen, damit wir pünktlich proben und abfahren konnten. Auf der Heimfahrt mit dem Bus hatten wir aber unsere gute Laune nicht eingebüßt. Es stellte sich heraus, dass keiner wusste, wer beim Mörderspiel gewonnen hatte. Herr Adiarte war es auf jeden Fall nicht, dieser wurde hinterlistig am Vortag ermordet, als ihm nichtsahnend Noten in die Hand gedrückt wurden.

Es gab letztendlich keinen Sieger, aber wir konnten wieder anfangen, einander zu vertrauen ohne Angst zu haben. Der Zeitpunkt des Abschiedes war gekommen, und obwohl sich Trauer und Tränen breitmachten, weil das Wochenende vorbei war, waren wir trotzdem dankbar und froh über die schöne Zeit, blickten positiv zurück und waren stolz auf die Arbeit, die wir geleistet haben. Wir wussten auch, die Trennung würde nur von kurzer Dauer sein, denn am Dienstag würden wir uns wieder zur nächsten JuSO-Probe sehen und in den Armen liegen. Auf diesen Dienstag waren wir besonders gespannt, denn der Solist, Samuel, mit dem wir ein Trompetenkonzert spielen werden, würde da sein und mit uns proben; auf das gemeinsame Musizieren sowie das Kennenlernen freuten wir uns sehr.

Während also die meisten ihren Heimweg antreten, geht es für einige nach der Ankunft am Rotebühlplatz ab zum Gustav-Siegle-Haus, um das hart erprobte Friedenskonzert zu spielen. Wir waren etwas erschöpft, aber es sollte uns nicht aufhalten, dieses wunderschöne Programm zu spielen für einen so wichtigen Zweck. Das Wochenende endet mit dem Aufeinandertreffen von Schüler:innen, Lehrer:innen und Ehemaligen, die voll Leidenschaft von Herzen Musik auf der Bühne spielen. Auch wenn die letzten Tage anstrengend waren, dieser Moment war es wert, in dem wir berührt Musik machen, zusammen schweben und teilen, was wir lieben. Es war ein erfolgreiches Konzert und insgesamt ein erfolgreiches Wochenende.

Besonderen Dank gebührt an der Stelle Herrn Adiarte für seine Geduld und seine Begeisterung, die er mit uns teilt und auf uns überspringen lässt. Auch Frau von Gagern und Frau Schneider danken wir fürs Betreuen, fürs Dabeisein und für die Registerproben. Nicht zu vergessen ist der Busfahrer, der uns sicher von A nach B gebracht hat.

Geschrieben von Patrick Giesel

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