Fünf Fragen an unseren neuen stellvertretenden Schulleiter

Philipp Schädel ist seit dem 1. Juni 2025 neuer stellvertretender Schulleiter an der Stuttgarter Musikschule. Prof. Dr. Andreas Jäger wird diese Funktion bis Sommer 2027 gemeinsam mit ihm ausfüllen.

Portrait Philipp Schädel
Philipp Schädel, stellvertretender Schulleiter

Die Gesangausbildung von Philipp Schädel begann an der Stuttgarter Musikschule und bei den Stuttgarter Hymnus-Chorknaben. Er studierte an den Musikhochschulen in Freiburg und Karlsruhe. Engagements führten ihn als Solisten u.a. ans Badische Staatstheater, die Schwetzinger Festspiele oder das Festspielhaus Baden-Baden. Seit über 20 Jahren widmet er sich als Gesanglehrer und Chorleiter intensiv der Ausbildung junger Stimmen.
2018 begann er seine Tätigkeit an der Stuttgarter Musikschule und war hier bislang als Gesanglehrer, Chorleiter, Bezirksleiter, Fachbereichsleiter und Lehrer für Solmisation tätig.

Wilson: Nach einem Gitarristen übernimmt nun ein Sänger die stellvertretende Leitung – da ändert sich vielleicht nicht nur das Klangbild. Was bringst du als Gesangspädagoge in die Leitung ein, dass die Schule bereichern könnte?

Schädel: Die Stimme ist ein sehr kommunikatives Instrument. Wir haben praktisch immer auch mit Sprache, Poesie oder Libretti zu tun. Außerdem musiziert man als Sänger eigentlich nie allein. Man singt immer gemeinsam – sei es im Chor oder mit Instrumentalisten in allen möglichen Besetzungen vom Duo bis zu riesigen Wagnerorchestern. Diese Aspekte sind für mich in meiner Arbeit sehr wichtig – Kommunikation und Gemeinschaft. Hier ist sicherlich auch meine Erfahrungen als Teil von Opernproduktionen oder als Chorleiter hilfreich.

Ein weiterer Aspekt, der mir am Gesang besonders gut gefällt, ist die Vielfalt. Gesungen wird überall auf der Welt, in allen Kulturen, in allen Genres. Dieser Abwechslungsreichtum spricht mich sehr an. Ich selbst bin klassisch ausgebildet und liebe unverstärkten Gesang sehr; aber meine Auftritte im Musical oder mit Pop- und Jazzmusik machen mir auch Freude und haben mich und meinen Gesang sehr bereichert. Vielfalt ist mir in einer guten Musikschularbeit ebenfalls besonders wichtig. Die Einblicke, die ich als Bezirks- und Fachbereichsleiter erhalten haben, helfen mir hier sicherlich verschiedene Blickwinkel einzunehmen und nachzuvollziehen.

Wilson: Wann hast du eigentlich angefangen zu singen – und in welchem Alter war dir klar, dass Musik mehr als nur ein Hobby für dich ist?

Schädel: Gesungen habe ich eigentlich schon immer – in Chören, auf Freizeiten, zu Hause zum Spaß… So richtig los ging es dann mit 15 Jahren. Eigentlich spielte ich ja viel Theater, aber ein Musiklehrer suchte für die West Side Story-Aufführung noch dringend jemanden für die Hauptrolle und da kein anderer wollte habe ich das dann eben übernommen. Hinterher wurde ich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, das professionell zu machen. Und dann ging alles ganz schnell: Stuttgarter Musikschule, Stuttgarter Hymnus-Chorknaben, Klavier- und Theorieunterricht. Ein Jahr später wusste ich dann schon: „Das ist es! Das willst Du machen!“ In dieser Zeit habe ich gemerkt, dass da wirklich etwas in mir steckt – und wie viel Freude es mir macht, mich musikalisch weiterzuentwickeln. Den ganzen Musiklehrkräften von damals bin ich noch heute sehr dankbar, dass sie mich in dieser Zeit so inspiriert haben.

Wilson: Was war der beste Rat, den du als junger Musiker bekommen hast – und gilt er vielleicht heute noch?

Schädel: Zwei Sprüche sind mir besonders in Erinnerung geblieben.

Der erste ist ein Aristoteles zugeschriebenes Bonmot: „Harfe spielen lernt man nur durch Harfe spielen.“ Also: machen, machen, machen. Man entwickelt sich musikalisch vor allem durch Tun, durch Ausprobieren und Wiederholen. Das versuche ich auch meinen Schülern zu vermitteln: Einfach anfangen, dranbleiben und vertrauen.

Der zweite Rat stammt von einer Gesanglehrerin: „Laut ist nicht schön! Schön ist schön!“ Das mag einfach klingen, aber es hat meinen Blick auf Klang und Ausdruck grundlegend verändert. Dieser Gedanke wird leider immer weniger berücksichtigt. Es geht nicht um Lautstärke oder reine Technik, sondern um künstlerische Aussage und Musikalität. Technik und Lautstärke sind natürlich wichtig, aber immer nur Mittel zum Zweck.

Wilson: Wenn du die Möglichkeit hättest, eine bekannte Persönlichkeit – lebend oder aus der Vergangenheit – zu treffen: Wer wäre das, und warum?

Schädel: Da fallen mir viele Uraufführungen ein, die ich gerne gehört hätte. Wie klangen die Kantatenaufführungen unter Bach? Wie wirkte eine Mozartoper bei Kerzenschein? Wie kam Beethovens 9. Sinfonie wirklich an oder wie reagierte das Publikum bei der Premiere von Le sacre du printemps? Treffen würde ich wahrscheinlich am liebsten Rossini – der konnte nämlich gut kochen.

Wilson: Eine Musikschule ist nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Ort der Begegnung. Welche Rolle sollte die Musikschule Deiner Meinung nach im kulturellen Leben Stuttgarts spielen?

Schädel: Die Stuttgarter Musikschule spielt im kulturellen Leben der Stadt schon jetzt eine enorme Rolle - mit weit über 12000 Schülerinnen und Schülern und zahlreichen Kooperationspartnern. Viele kommen bei uns zum ersten Mal mit dem aktiven Musizieren in Berührung. Die Begeisterung, die bei unseren Orchesterfahrten, Musicalaufführungen, Kammermusikprojekten und den vielen anderen Aktivitäten entfacht wird, prägt oftmals ein ganzes Leben.
Gleichzeitig sehe ich die Musikschule nicht nur als Ausbildungsstätte, sondern als offenen Raum, in dem die unterschiedlichsten Menschen in Kontakt kommen. Diese Begegnungen sind heute wichtiger denn je. Unsere zahlreichen Konzerte und Veranstaltungen sind deshalb unverzichtbarer und fester Bestandteil einer lebendigen Musikschularbeit. Bei uns werden sowohl die Profis von morgen als auch die leidenschaftlichen Hobby-Musiker in Chören, Orchestern und Vereinen und das Publikum von morgen ausgebildet - und begeistert.

Text: Kirsty Wilson
Bild: Philipp Schädel

(Erstellt am 26. November 2025)

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