Klangräume entdecken: Neue Musik mit Blockflöten
Die Tür zum Probenraum in der Musikschule im Stadtteil Ost steht einen Spalt offen. Drinnen: ein kaum hörbarer Lufthauch, ein trockenes Klappengeräusch, dann Stille.
Ein Ton setzt ein, bricht ab, wird aufgegriffen, verändert sich. Fünf junge Musikerinnen bewegen sich durch den Raum, wechseln ihre Positionen – als würde der Raum selbst mitspielen.
Als sich Anna, Elly, Klara, Mathilda und Sophia gemeinsam mit ihrer Lehrerin Carolin Daub im Herbst 2025 erstmals zu Proben trafen, war noch offen, wohin die gemeinsame Arbeit führen würde. Schnell wurde jedoch deutlich, dass es nicht um das bloße Einstudieren eines Programms gehen würde, sondern um eine gemeinsame künstlerische Suche: nach Klang, nach Form, nach einer eigenen Haltung. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Neuer Musik – ein Feld, das Gewohntes infrage stellt.
Ausschnitt Sophie Pope (Vogel)
Ausschnitt Blecharz-Arbor
In den folgenden Monaten entwickelt das Ensemble ein Programm mit Werken von Wojtek Blecharz (Arbor / Rhizome), Sophie Pope (Vogel), John Cage (five) sowie Point of View von Sumin Yu, das eigens für das Ensemble komponiert wurde. Die Stücke eint ihre Offenheit: Nicht immer gibt es einen festen Verlauf, vielmehr öffnen sich unterschiedliche Möglichkeiten. Für die Musikerinnen bedeutet das, im Moment Entscheidungen zu treffen, genau zuzuhören und dem eigenen Klang zu vertrauen.
„Man muss sich darauf einlassen, weil es ungewohnt klingt“, beschreibt Klara ihre Erfahrung. Anna betont die Freiheit der Neuen Musik: „Man spielt mehr im Flow und nicht nach starren Regeln.“ Auch die Vielfalt der Klänge prägt die Arbeit im Ensemble. Sophia hebt hervor, dass sich manche Geräusche – etwa in der Komposition Vogel – überraschend „echt“ anhören. Mathilda beschreibt Neue Musik als Mischung aus Struktur und Experiment. Elly ergänzt: „Neue Musik ist freier und sieht auf dem Blatt oft ganz anders aus als klassische Musik. Als Interpretin muss man sie erst ‚entziffern‘ – das fühlt sich ein bisschen an wie ein Detektivspiel, fast so, als würde man selbst mitkomponieren.“
Gerade diese Haltung prägt das Ensemble: Die fünf Musikerinnen begegnen der Neuen Musik mit Neugier, Mut und einem wachen Ohr füreinander. Die Vielfalt der eingesetzten Blockflöten – von der Sopranino- bis zur Subbassblockflöte – eröffnet dabei ein breites klangliches Spektrum.
Nach der ersten Kennenlernphase entschied sich das Ensemble für die Teilnahme am Wettbewerb „Jugend musiziert“– ein Rahmen, der dem Prozess Struktur gab, ohne ihn festzuschreiben. Beim Landeswettbewerb in Ditzingen erreichte das Ensemble die Höchstpunktzahl von 25 Punkten. Ende Mai wird es nun beim Bundeswettbewerb in Regensburg auftreten.
Doch der Wettbewerb wirkt hier weniger wie ein Abschluss als wie eine Etappe in einem fortlaufenden Prozess. Was bleibt, ist eine gemeinsame Erfahrung des Hörens und Entscheidens – und eine Musik, die sich nicht als fertiges Ergebnis zeigt, sondern als etwas, das im Moment entsteht und sich mit jeder Begegnung verändert.
Text und Bilder: Carolin Daub










